Symposium: Plasmamedizin – Prävention und personalisierte Behandlungsmöglichkeiten

Künstlich erzeugte, sogenannte „kalte“ Plasmen sind in den vergangenen Jahren für Anwendungen in der Medizin in den Fokus gerückt. Der Grund: Sie töten Mikroorganismen schonend ab und erlauben eine gezielte Beeinflussung des Zellwachstums. Bereits heute werden Plasmen deshalb zur Wundheilung und zur Infektionsprävention eingesetzt.

Das eintägige Symposium wird gemeinsam organisiert durch den Forschungsverbund Leibniz Gesundheitstechnologien, das Nationale Zentrum für Plasmamedizin und das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP).

Neben der klinischen Relevanz der Plasmamedizin, die aus Sicht von Medizinern/Physikern thematisiert wird, berichten Vertreter aus der Industrie über ihre Erfahrungen/Erfolge bei der Etablierung ihrer Plasmageräte am Markt. Diesen und weiteren Themen widmen sich namhafte Referenten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik im Vortragsprogramm und im Rahmen eines WorldCafe.

Ort:
Leibniz-Gemeinschaft
Chausseestraße 111 | 10115 Berlin

Termin:
21. März 2017, 09:30 – 16:30

Zur Anmeldung

Programm

Begrüßung

10:00 – Begrüßung durch die Organisatoren:


10:20 – Grußwort: Dr. Christoph Jaehne, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Mecklenburg-Vorpommern, Referatsleiter Gesundheitswirtschaft

Plasmamedizin - innovative Physik in der Gesundheitstechnologie

Thomas von Woedtke
Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.


Plasmamedizin ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, das sich mit der medizinischen Nutzung kalter (<40°C) Atmosphärendruckplasmen befasst. Medizinisch nutzbare biologische Plasmaeffekte sind insbesondere (a) die Inaktivierung von Mikroorganismen, insbesondere multiresistenter Krankheitserreger, (b) die Stimulation der Regeneration verletzten Gewebes und (c) die Induktion des programmierten Zelltodes (Apoptose) insbesondere bei Krebszellen.

Ein aktueller Schwerpunkt der klinischen Plasmamedizin ist die Behandlung von akuten und chronischen Wunden und erregerbedingten Hauterkrankungen. Präklinische Forschungen widmen sich verstärkt der Plasmaanwendung bei der Krebsbehandlung. Weitere Anwendungsmöglichkeiten beispielsweise in der Zahnmedizin, der Ophthalmologie oder der Inneren Medizin zeichnen sich ab. Aktuelle technische Herausforderungen betreffen insbesondere die Weiterentwicklung und Optimierung anwendungsspezifischer Plasmageräte. Die weitere detaillierte Aufklärung von zell- und molekularbiologischen Mechanismen biologischer Plasmaeffekte ist Gegenstand der plasmamedizinischen Grundlagenforschung.

Angewandte Grundlagenforschung in der Plasmamedizin – Von den molekularen Mechanismen in die Klinik

Sander Bekeschus
plasmatis, Zentrum für Innovationskompetenz (ZIK) des Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.


In der Plasmamedizin werden ionisierte Gase zu therapeutischen Zwecken untersucht und angewendet. Dies erfordert interdisziplinäre Arbeit in den Gebieten der Physik, Chemie, Biologie, und translationalen Biomedizin. Am Zentrum für Innovationskompetenz (ZIK) plasmatis des INP Greifswalds werden seit 7 Jahren diese Disziplinien vereint. Ziel ist es, die molekularen Mechanismen der Kaltplamawirkung in menschlichen Erkrankungen zu verstehen. Dabei stehen dem ZIK plasmatis eine Vielzahl hochtechnologischer Methoden zur Verfügung, die für die transdisziplinäre Arbeit an der Schnittstelle zwischen Physik und Medizin entscheidend sind. Im Anwendungshorizont soll mit Hilfe kalter Plasmen ein Vorteil für Patienten geschaffen werden. Molekular-physikalischen und molekularbiologischen Methoden helfen dabei, das Fundament für Plasmatherapien in der Klinik zu erforschen und zu festigen.

Evidenz-basierte Krebsbehandlung – interdisziplinäre Plasmamedizin

Hans-Robert Metelmann
Klinik und Poliklinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie/Plastische Operationen
Universitätsmedizin Greifswald


Die Einführung von kaltem physikalischem Plasma in Klinik und Praxis gehört zu den Sprunginnovationen in der Medizin. Erstmals ist es möglich, Redox-Balance und Signalkaskaden in lebenden Zellen mit gezielten physikalischen Eingriffen therapeutisch verwertbar zu beeinflussen. Das Spektrum der Zielzellen reicht dabei von multiresistenten Erregern über die funktionalen Zellen der Wundheilung bis hin zu Krebszellen. Plasmaphysiker haben Quellen für Tumorpatienten entwickelt. Plasmabiologen konnten wesentliche Details ermitteln, welche Effekte dieses Plasma in Tumorzellen auslöst. Erste Plasmaquellen haben die Zulassung als Medizingeräte erhalten. Der Weg ist geebnet zur Evidenz-basierten Krebsbehandlung: Eine Patientin mit einem Krebsgeschwür im Gesicht wird auf die Tagesordnung der plasmamedizinischen Krankenhauskonferenz gesetzt, die Plasmabiologin identifiziert die zellulären Zielprozesse, die Plasmaärztin stellt die Behandlungsindikation, die Plasmaphysikerin ermittelt das geeignete Medizingerät.

Plasmaquellen und ihre Bedeutung für die Wundversorgung

Alexander Becker
Aditus AG

Michael Philippi
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft & Michael Philippi Healthcare Consulting GmbH


Chronische Wunden stellen heute bereits im deutschen Gesundheits- und Pflegesystem ein erhebliches Problem dar, sowohl hinsichtlich der Belastung der Lebensqualität der Betroffenen als auch der verursachen Kosten.  Mit der zu erwartenden demographischen Entwicklung und der prognostizierten Zunahme von Gefäßerkrankungen insbesondere auch bei älteren Menschen werden die Herausforderungen, ergänzende oder alternative Versorgungsangebote zu etablieren, drängender, wenn die Versorgungsqualität nachhaltig verbessert werden soll. Der flächendeckende Einsatz der Plasmamedizin als substituierender oder ergänzender Therapieansatz bietet Alternativen für das vorhandene Portfolio an Versorgungsregimes chronischer Wunden.

Kaltes Atmosphärendruckplasma (KAP): Erfahrungen eines Dermatologen mit dem PlasmaDerm Gerät

Steffen Emmert
Universitätsmedizin Rostock


Kaltes Atmosphärendruckplasma (KAP) beinhaltet eine Vielzahl von aktiven Komponenten wozu geladene Teilchen, UV-Strahlung, reaktive Gasspezies, Temperatur und Stromfluss zählen, die synergistisch medizinisch wirksam sind. Eine Reihe von klinischen Studien konnte bereits bakterizide, anti-inflammatorische, proapoptotische und antiekzematöse Effekte von KAP aufzeigen. Dadurch beinhaltet KAP ein erhebliches medizinisches Potential, gerade im Bereich der Dermatologie. KAP fördert vor allem die Wundheilung und beschleunigt regenerative Prozesse. Unser Konsortium hat dafür weltweit erstmalig eine DBD-basierte Plasmaquelle entwickelt und das Gerät (PlasmaDerm) als Medizinprodukt zur Zulassung gebracht. Diese Entwicklung ist mittlerweile in die Standardtherapie der komplexen Wundbehandlung integriert und wurde mit verschiedenen Innovationspreisen ausgezeichnet.

Screening-Test einer neuen gepulsten Plasmaquelle für medizinische Anwendungen

Kerstin Horn
INNOVENT e.V.  Technologieentwicklung Jena


Für physikalische Plasmen werden aktuell in der Medizin und Medizintechnik verschiedene Anwendungsfelder verifiziert. Für diese Anwendungen ist die Bereitstellung unterschiedlicher Plasmaquellen mit spezifischen Charakteristika und Behandlungseigenschaften wichtig. Im Vortrag werden Arbeiten zur Untersuchung einer neuen Plasmaquelle auf ihr Potenzial für medizinische Anwendungen vorgestellt. Dabei liegt der Schwerpunkt zum Einen auf der Analytik der medizinisch relevanten Wirk-Komponenten der Plasmaquelle wie Temperaturprofil und reaktive Spezies und zum Anderen auf der Wirkung des Plasmas auf Mikroorganismen und Hautmodelle. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Plasmaquelle bei moderatem Temperatureintrag in die behandelte Oberfläche verschiedene Test-Bakterien und Pilze sicher tötet, ohne eine zytotoxische Wirkung zu zeigen. Damit eröffnen sich Möglichkeiten für den Einsatz in der Dermatologie. 

Möglichkeiten der Erstattung für innovative Medizinprodukte in der Plasmamedizin

Ulrike Brucklacher
VOELKER & Partner - Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater mbB, Fachanwältin für Medizinrecht


 

Innovative Medizinprodukte spielen eine wesentliche Rolle in allen Bereichen des deutschen Gesundheitswesens. Mit Nachdruck wird daher ständig an der Umsetzung neuer Ideen im medizintechnischen Bereich gearbeitet. Forschende Unternehmen konzentrieren sich dabei meistens auf die Entwicklung des innovativen Produktes. Nicht selten wird dabei versäumt, rechtzeitig über einen ganz wesentlichen Faktor für den späteren wirtschaftlichen Erfolg der Entwicklung nachzudenken: Wie wird das neue Produkt im System der gesetzlichen Krankenversicherung erstattet? Der Vortrag gibt Hinweise für Erstattungsmöglichkeiten sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich.